Florian Reichert

Bergwelt Ambassador Florian Reichert im Interview mit unserem Mitarbeiter Philipp Matzke kurz vor der Abfahrt zu Flo's dritten Skyrun in dieser Saison im Team Arc'Teryx - dem "Dolomites Skyrace" in Canazei.

 

*Flo, Du bist in Deutschland hauptsächlich als schneller Straßenläufer und hier in Göttingen vor allem als Seriensieger des Altstadtlaufs bekannt. Diesen Sommer zieht es dich zu Trailläufen in die Alpen. Wie kommt's?*

Eine gewisse Affinität zu den Bergen habe ich seit langer Zeit. Schon als Jugendlicher auf Hüttentouren mit meinen Eltern war ich begeistert von der großartigen Landschaft und den Leuten, die auf die Gipfel liefen, kurz am Gipfelkreuz inne hielten und dann den nächsten Anstieg erklommen. Nach meinem Erfolg beim Eco Indoor Trail in Dortmund kam die Anfrage von Arc'teryx. Lange überlegen musste ich dann natürlich nicht.

*Viele unserer Kunden sind Kletterer und kennen Arc'teryx als Hersteller aus diesem Bereich. Erklär doch bitte kurz den Begriff Trailrunning!*

Trailrunning meint das Laufen auf schmalen, unbefestigten, kaum als solchen zu erkennenden Pfaden, ausgesetzten, mit Steinen durchsetzten Wegen und auf weglosen Wiesen im oftmals alpinen Gelände. Das ist auch der Unterschied zum Crosslauf, der überwiegend auf breiten und/oder befestigten Forstwegen stattfindet.

*Du hast bisher drei Wettkämpfe in der Skyrunning Serie bestritten: den Zegama-Aizkorri Marathon in Spanien, einen Vertical Kilometer (VK) und Marathon in Chamonix. Letzteren hast Du als Neunter beendet. Was steht jetzt an und was sind deine Ziele?*

Am kommenden Wochenende sind im Trentino die Skyrunning Europameiszerschaften, Freitag der VK und Sonntag das Skyrace über 22km. Jeder Wettkampf ist für mich Neuland und ich bin dabei, um zu lernen. Der VK ist nur 2,1 Km lang und damit härter und brutaler als alles andere, was ich jemals gemacht habe. Hier will ich einfach nur durchkommen. Beim Skyrace liebäugle ich mit einem Platz unter den Top 10. Doch die Strecke kommt mir nicht so entgegen, denn es geht am Ende 12 Kilometer steil und technisch schwierig bergab und das kann ich hier in Göttingen sehr schlecht trainieren. Rund um den Bismarckturm gibt es zwar einige steile Stellen, die ich meist mehrmals hintereinander rauf und runter laufe, doch wirklich anspruchsvolles Terrain findet sich erst im Harz.

*Wie ist die Beziehung zu den anderen Mitgliedern im Team, zu den Konkurrenten und die Stimmung bei den Veranstaltungen allgemein?*

Überall, sei es bei Arc'teryx, unter den Läufern oder auch an der Strecke, ist es sehr familiär und herzlich. Das ist ganz anders als in der Leichtathletik. Wir schätzen und respektieren uns alle, geben einander Tipps zu Ausrüstung und Strecke und verbringen auch vor und nach dem Wettkämpfen viel Zeit miteinander. In Frankreich, Italien und Spanien ist das Berglaufen so populär wie hier in Deutschland Straßenwettkämpfe. Die Zuschauer machen sich schon Stunden vor dem Start, mit dem Picknickkorb bewaffnet, auf, um uns Läufer an besonders steilen Anstiegen zu unterstützen. Das Leben in und die Liebe zu den Bergen treibt diese Leute an.

*Flo, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg im Trentino.*